John Meynard Keynes

John Meynard Keynes (1883-1946)

In the long run we are all dead (J.M. Keynes)

Über keinen großen Nationalökonomen, bis auf Karl Marx, ist wahrscheinlich soviel geschrieben und auch gestritten worden wie über John Meynard Keynes.

Keynes wurde amd 5. Juni 1883 geboren. Von 1897-1902 war er Schüler am Eton College und von 1902-1905 studierte er am Kings College in Cambridge Mathematik. Danach studierte er bei Marshall und Pigeou und absolvierte 1908 sein Civil Service Examen.1908 wurde er Lecturer für Economics an der Cambridge Univeristy und trat 1915 ins englische Schatzamt ein und ist ab 1919 als Vertreter des Schatzkanzlers in Versailles Beteiligter und Zeuge der Friedenskonferenz. Sein kurz darauf erschienenes Buch „Consequences of the Peace“ bringt im Weltruhm. Ab 1904 ist er dann Advisor to the chancellor of the Exchequer und Director der Bank of England. Zudem ist er als Architekt und Verhandlungsführer der Regulierung der Kriegs- und Nachkriegsfinanzierung. Der Keynes-Plan führt nach zähen Verhandlungen zum Brett Woods Systems sowie zum IMF und zur Weltbank.

Keynes ökonomisches Denken war immer auf die Lösung praktischer Probleme bezogen und von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise geprägt. Seine neuen Theorieansätze führten zu einer Revolution der klassischen Nationalökonomie. Im Gegensatz zu den Klassikern unterstellte er mögliche wirtschaftliche Gleichgewichte bei gleichzeitiger Unterbeschäftigung (Arbeitslosigkeit). Bei gegebenen Preisen ist die Höhe der Beschäftigung nach Keynes eine direkte Funktion der effektiven Gesamtnachfrage, die die Produktion bestimmt. Da die marginale Konsumquote (der Anteil am Lohn eines Arbeitsnehmers der zu Konsumzwecken verbraucht wird) kleiner 1 ist , reicht der Konsum nicht aus die gesamte Produktion abzunehmen. Der Rest der Produktion wird im Gleichgewicht von den Investitionen abgenommen. Diese verbinden jedoch Zukunft und Gegenwart miteinander (in Form der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals) und sind, weil auch zinselastisch, volatil. Mit dem volatilen Investitionsvolumen ist damit auch die Beschäftigungshöhe gefährdet. Insbesondere die Weltwirtschaftskrise führte bei Keynes zu der Überzeugung, daß nicht allein eine angebotsorientierte Politik sondern insbesondere eine nachfrageorientierte Politik (deficit spending) aus der Krise heraushelfen könne. Gegen das klassische Argument ein Unternehmer produziere nur dann, wenn Kosten für Kapital und Arbeit niedrig genug sind, führte er an, daß ein Unternehmer auch die zukünftige Absetzbarkeit seine Produkte beachten muß. Dieser Ansatz führt zu eine Verneinung der Sayschen Theorems, nachdem jedes Angebot seine Nachfrage findet. Bei Keynes wird dagegen das Angebot von der Nachfrage bestimmt. Arbeitslosigkeit entsteht insbesondere dann, wenn die effektive Nachfrage nicht gleich der Produktion ist. In dieser Situation müssen dann Politiken betrieben werden, die die Nachfrage erhöhen, bis es die steigende Produktion ermögliche alle Arbeitnehmer zu beschäftigen.

Wirtschaftspolitische Implikationen:

Keynes war einer der ersten Ökonomen, die wirtschaftliche Ungleichgewichte mit mangelnder Nachfrage begründeten. Über eine mangelnde Konsumnachfrage kommt es zu einem Rückgang der Produktion und es kann letztendlich sogar zu einer Rezession kommen. Der Staat kann hier mit seiner eigenen staatlichen Nachfrage diese Lücke zumindest zum Teil schließen (Je nach Finanzierung der Staatsausgaben kommen es zu einer teilweisen oder sogar vollständigen Verdrängung privater Investitionen). Darüber hinaus können auch von der Geldpolitik positive Einkommenseffekte und damit Nachfrageeffekte ausgehen. Dieser Zusammenhang beschreibt auch die Philipps-Kurve nach der ein positiver Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Höhe der Arbeitslosigkeit unterstellt wird. Bis in die 70ger Jahre galt daher der Spruch:

„Lieber 1 Prozent mehr Inflation als 1 Prozent mehr Arbeitslosigkeit.“

Nach Keynes sollte der Staat also nicht die von den Klassikern postulierte Nachtwächterfunktion wahrnehmen, sondern aktiv steuernd in den Wirtschaftsprozeß eingreifen. Zuletzt wurde vom damaligen Finanzminister Lafontaine eine mit den keynsianischen Gedanken vergleichbare Politik gefordert.

Hauptwerke: The Genral Theory of Employment Interest and Money (1936), A Treatise on Money (1930)