Marie Esprit Léon Walras

Marie Esprit Léon Walras (1834-1919)

Französischer Nationalökonom. Er studierte in an der Ecole des Mines und ging nach seinem Studium bis ca. 1870 verschiedenen Beschäftigungen nach, die mit ökonomischer Forschung wenig zu tun hatten. Erst 1870 wurde er auf einem Lehrstuhl für politische Ökonomie an der Universität Lausanne berufen. Nachfolger auf diesem Lehrstuhl wurde 1892 Vilfredo Pareto.

Das von ihm entwickelte Auktionatorsystem bildet den Prototypen der Allgemeinen Gleichgewichtstheorien. Er war eine herausragender Vertreter der mathematischen Schule und enwickelte den Begriff des Grenznutzens. Im Gegensatz zu Smith und Ricardo war er der Meinung, daß der Wert eines Gutes nicht von den Herstellkosten oder dem Arbeitsaufwand abhängig ist, sondern von seinem subjektiven Nutzen. Ein Gut kann für jemanden einen sehr großen Nutzen stiften, und damit eine größere Bereitschaft einen hohen Preis dafür zu zahlen, und auch nur einen sehr geringen Nutzen stiften, wenn derjenige z.B. schon eine sehr große Menge diese Gutes besitzt. Hieraus entwickelte Walras den Begriff des abnehmenden Grenznutzen Mit zunehmenden Konsum eines Gutes nimmt dessen zusätzlicher Nutzen für den Konsument ab ohne jemals negativ zu werden.

Im Walrasiamischen Gleichgewichtssystem wird versucht bei vollständiger Konkurrenz die Gleichgewichtswerte aller ökonomischen Variablen zu ermitteln. Zudem entwickelte er mathematische Formeln für Märkte und den Gütern, die auf diesen Märkten gehandelt werden. Der Schnittpunkt, der aus diesen Formeln entwickelten Angebots- und Nachfragekurven, bildet dann das Gleichgewicht dieses Marktes, Angebot und Nachfrage gleichen sich aus. Jeder der Markteilnehmer tauscht dabei Güter nur dann, wenn er mindestens den gleichen Nutzen aus den getauschten Gütern zieht, sich also nach dem Tausch in seinem persönlichen Nutzen nicht verschlechtert.

Um nun das Gleichgewicht für all Märkte zu finden bediente sich Walras eines Auktionators. Dieser ruft zu Beginn einer Periode ein Preissystem aus. Zu diesem System geben die Wirtschaftssubjekte ihre Tauschpläne ab. Der Auktionator prüft nun, ihn welchen Teilmärkten ein Nachfrageüberschuss oder ein Angebotsüberschuss herrscht und paßt die Preise demgemäß an. Dies wird solange wiederholt, bis sich alle Märkte im Gleichgewicht befinden.Damit gab Walras als erster eine formale Darstellung des Wirkens der „invisible Hand“. Nach Walras konnte es keine andauernde Arbeitslosigkeit geben, da sich das aktuelle Preisniveau nicht dauernd vom Gleichgewichtspreis entfernen könne, die tatsächliche Preis oszilliert um den Gleichgewichtswert.

Wirtschaftspolitische Implikationen:

An Walras wird der schon fast religionsartige Glaube an die grundsätzliche Funktionsfähigkeit des Marktmechanismuses (bzw. Preismechanismuses) der Ökonomen der Klassik deutlich. Angebot und Nachfrage kommen immer zum Ausgleich. Bei wirtschaftlichen Störungen wirkt der Preismechanismus und vollständige Konkurrenz wie ein Automatismus, der die Wirtschaft wieder in ein Gleichgewicht bringt. Der Staat hat allein eine Rolle als Rahmengeber und Bereitsteller einer wirtschaftlichen Infrastruktur.

Hauptwerke: Eléments d´économie politique pure ou théorie de la richesse sociale (1874/77), Etudes d´économie politique appliquées (1998)