Walter Eucken

Walter Eucken (1891-1950)

Walter Eucken wurde am 17. Januar 1891 in Jena geboren. Er war ein deutscher Nationalökonom und Hauptvertreter des Ordoliberalismus. 1913 Promotion, 1914-1918 Frontoffizier im Ersten Weltkrieg, 1921 Habilitation bis 1925 Privatdozent , 1925-1950 Professor an der Universität Tübingen.

In seinem Buch Grundsätze der Wirtschaftspoltik versucht er eine Hauptfrage zu beantworten:

Wie kann der modernen industrialisierten Wirtschaft eine funktionsfähige und menschenwürdige Ordnung gegeben werden?

Dem Laissez-faire der klassischen Nationalökonomie unterstellte er den Hang zur Monopolbildung. Sie war aber, seiner Meinung nach, grundsätzlich erfolgreich, da sie versuchte eine zweckmäßige Wirtschaftsordnung von unten heraus aus den spontanen Kräften der Gesellschaft von selbst zu entfalten. Zudem übte er Kritik an den schlechten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, als Folge des laissez-faire Kapitalismus. Für ihn war aber nicht wie bei Marx die Entfremdung des Arbeitnehmers und der mangelnde Besitz an den Produktionsfaktoren der Hauptgrund für diese Fehlentwicklungen, sondern die Monopolbildung auf der Arbeitsnachfrageseite. Hier könnten seiner Meinung nach Gewerkschaften und Arbeitsvermittlungen helfen die Marktmacht auf der Nachfrageseite zu verringern. Hier zeigt sich auch , daß Eucken nicht, wie die Ökonomen der klassischen Nationalökonomie (Smith, Mill u.a.), von einer vollständigen Funktionsfähigkeit der Märkte und damit des Preismechanismuses ausging.

Bei der Behandlung der Zentralverwaltungswirtschaft kam er zu dem Schluß, daß das Beschäftigungsproblem zwar gelöst werden könne, aber eine sinnvolle Beschäftigung damit nicht erreicht werden könne. Zudem erschien es ihm nicht möglich innerhalb einer Zentralverwaltungswirtschaft, die Investitionen zweckdienlich unter Ausschaltung des Preismechanismuses zu steuern.

Eucken hatte während des zweiten Weltkrieges Kontakt zum Widerstand und stellte in Freiburg Überlegungen zum Wiederaufbau Deutschlands nach Ende des Krieges an. Nach Eucken sind die kapitalistische Wettbewerbsordnung und die Zentralverwaltungswirtschaft die beiden Pole des ökonomischen Kosmos. Eucken lieferte mit seinen Ansätzen die Grundprinzipien der sozialen Marktwirtschaft. Nach seiner Meinung hatte es der Sozialismus zwar geschafft Vollbeschäftigung zu sichern, aber auf Kosten einer sehr schlechten Versorgung der Bevölkerung. Der Kapitalismus hingegen hatte sich als äußert produktiv und wachstumsstark erwiesen, aber steigende Arbeitslosigkeit mit sich gebracht.

In seinen Überlegungen entschied sich Eucken trotzdem für ein marktwirtschaftliches System. Die vollständige Konkurrenz hatte für ihn eine stabilisierende Wirkung. Wichtig war für ihn dabei ein stabiler, von der Politik gegebener Ordnungsrahmen, der aber nicht in einen Interventionismus münden sollte. Er stellte Prinzipien auf nach denen die Wettbewerbsordnung gestaltet werden sollte.

1. konstituierende Prinzipien

funktionsfähiges Preissystem vollständiger Konkurrenz, offene Märkte, Privateigentum, Vertragsfreiheit, währungspolitische Stabilität

2. regulierende Prinzipien

Monopolaufsicht, Umverteilung, Korrektur der Wirtschaftsrechnung, Auffangen annormaler Angebotsreaktionen

Eucken war damit Wegbereiter unseres heutigen marktwirtschaftlichen Systems.

Wirtschaftspolitische Implikationen:

Aus heutiger Sicht ist es kaum möglich auf sämtlichen Märkten eine vollständige Konkurrenz herzustellen. Vielmehr gestaltet sich der Wettbewerb als eine Art Vorsprung und Verfolgungsprozeß. Einem Unternehmen gelingt es mit Produktinnovationen, Kostensenkungen, neuen Produktionsverfahren u.ä. einen kurzfristigen Vorsprung innerhalb seines Marktes zu erhalten und es wird vom Mengenanpasser zum Preisgeber. Mittelfristig kommt es aber zu Aufhol- und Nachahmungseffekten anderer Unternehmen, die diesen Vorsprung wieder einholen und sich letztendlich ein neues Gleichgewicht bildet.

Für die deutsche soziale Marktwirtschaft war er Wegbereiter, auch wenn sein Ordoliberalismus in der heutigen ökonomischen Theorie nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Hauptwerke: Grundlagen der Nationalökonomie (1940), Grundsätze der Wirtschaftspolitik (1952, nach seinem Tod erschienen)